Historischer Bergbau Allgäu  
    GEOLOGISCHES
über das Gebiet Oberstaufen
 
    Das Gebiet beim Rotheidebach wurde vor etwa 20 bis 25 Millionen Jahren, auch Tertiär genannt, von mächtigen, aus den Alpen strömenden Flüssen überflutet, die viel Geröll und Schwemmaterial mit sich brachten und dies in der Ebene des Voralpenlandes ablagerten.

Diese Ablagerungen bezeichnet man als „Untere Süßwassermolasse“, also ein weiches, zermahlenes Tertiärgestein.

Die Ablagerungen sind aus verschiedenen Schichten zusammengesetzt:

1)            Sandstein in grauen, gelben oder grünlichen Farbschattierungen, die durch das aus dem Grundwasser
ausgespülte Mineral Calcit verfestigt wurden.

2)            Aus betonähnlich aussehenden Mischungen von runden Kieselsteinen, die ebenfalls durch Calcit
verklebt sind und im Volksmund „Nagelfluh“ genannt werden.

3)            Aus grauen, gelblichen, roten, schwärzlichen oder bunt gefleckten Mergelschichten, die aus Ton
und unterschiedlichen Mengen von feinem Sand zu einem festen Stein geworden sind.

Dort wo Mergelsteine im Untergrund anstehen, sind die Wiesen immer feucht und moorig, Hänge rutschen, eine landwirtschaftliche Nutzung kommt meist nur auf drainierten Flächen in Frage. Die Schichten der unteren Süßwassermolasse können mehrere hundert Meter mächtig sein.

Die Kohle entstand durch die Ablagerungen von angeschwemmten Hölzern, die meist als Treibholz hier in Altgewässern des Gebietes am Rotheidebach abgeladen wurden. Aus der ehemaligen Holzsubstanz Lignin hat sich im Laufe von vielen Millionen Jahren durch erhöhte Drucke und Temperaturen Holz in Kohle umgewandelt. Hier entstand ein Kohleflöz von 10 bis 50cm Mächtigkeit. Es handelt sich um schwarze oder braune Lagen bituminöser, unreiner Kohlen, in die die glänzend schwarze Lagen Glanzbraunkohle, auch Pechkohle genannt, eingelagert war. Im Jahr 1944 wurde vom Reichsamt für Bodenforschung eine Probe der Glanzbraunkohle vom Rotheidebach erstellt, die folgende Zusammensetzung ergab:

  71,8 %    Kohlenstoff

  04,9 %    Wasserstoff

  19,6 %    Sauerstoff

  01,4 %    Stickstoff

  02,3 %    Schwefel

 

Von Nachteil für die Kohle vom Rotheidebach war, daß sie leicht auseinanderbrach und blättrig zerfiel und nur das sogenannte Gries übrigblieb. Besonders der Transport über die holprigen Wege von der Grube mit ungefederten Leiterwagen machte oft die Arbeit mehrerer Tage zunichte, wenn beim Kunden statt der Stückkohle nur Kohlengries ankam.

Quelle: Historischer Verein Stiefenhofen