Historischer Bergbau Allgäu  
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über das Gebiet Nesselwang
 
   

Geologie zum Revier NESSELWANG

Vorkommen von Pechkohle in der Allgäuer Molasse

Im Allgäu, wie auch im gesamten übrigen nördlichen Alpenraum, liegt als tiefste geologische Baueinheit die MOLASSE. Sie wird vom Abtragungsschutt der Alpen aufgebaut.

Die Entwicklung des Molassebeckens – des Ablagerungsraumes der Molasse – begann vor etwa 37 Mio. Jahren, im frühen Unteroligozän, als durch gewaltige Faltungsvorgänge während  der Kreide- und früher Tertiärzeit die Baueinheiten der Allgäuer Alpen („Helvetikum“, Flysch-Zone“ und Kalkalpine Zone“) langsam von Süden nach Norden übereinandergeschoben wurden.

Nördlich der Faltungsfront entwickelte sich durch verstärkte Absenkungsvorgänge die Molassevortiefe. Diese Becken, ein „orogenes Vorlandbecken“, nahm den Abtragungsschutt des im Süden sich entwickelnden Deckengebirges auf. Die Schüttungen in das Vorlandbecken lassen sich in vier große Einheiten unterscheiden:

            Untere Meeresmolasse (UMM, ~37,5 - ~28 Mio. Jahre)

            Untere Süßwassermolasse (USM, ~28 - ~23 Mio. Jahre)

            Obere Meeresmolasse (OMM, ~23 - ~17,5 Mio. Jahre)

            Obere Süßwassermolasse (OSM, ~17,5 - ~8 Mio. Jahre)

Die Bildung größerer Kohlevorkommen war dabei aufgrund der klimatischen Bedingungen an den Ablagerungszeitraum der Unteren Süßwassermolasse gebunden. Ihre Entwicklung begann am Ende der Unteren Meeresmolasse, als das Becken verlandete und aus dem aufsteigenden Gebirge im Süden Flüsse große Schuttmassen nach Norden transportierten. In Gebirgsnähe wurden infolge der hohen Strömungskräfte der Fließgewässer grobe Stein- und Kiesschüttungen abgelagert. Sie verfestigten sich in der Folgezeit zu groben Nagelfluhen der Weißsach- und Steigbachschichten. Mit weiterer Entfernung vom Gebirge nach Norden konnten die Flüsse nur noch feinkörnige Schuttanteile wie Sand, Silt (=Schluff) und Ton transportieren. Sie bilden heute mehrere tausend Meter mächtige Abfolgen von Sandsteinpaketen mit Mergelzwischenlagen (z. B. „Granitische Molasse“).

Zahlreiche tierische und pflanzliche Fossilien in den feinkörnigen Schichten lassen auf warmfeuchte Bildungs- und Lebensbedingungen während der USM schließen. Die Klimabedingungen förderten die Bildung von Sumpfwäldern unterschiedlichster Ausdehnung. Wurden diese Wälder nach ihrem Absterben rasch mit Schlamm überdeckt, konnten unter weiteren günstigen Bildungsbedingungen Inkohlungsprozesse einsetzen, die zur Bildung von Pechkohle führten.

Von den so entstandenen Kohlevorkommen waren die Flöße von Peißenberg und Penzberg am größten; sie wurden bis in die 70er Jahre abgebaut. Etwa gleich alt jedoch wesentlich kleiner und ohne wirtschaftliche Bedeutung war das Pechkohlevorkommen bei Maria Rain in der Nähe von Nesselwang In zahlreichen Aufschlüssen der USM finden sich Pechkohlestücke. Es handelt sich dabei oftmals nur um einzelne inkohlte Holzstücke.

Die Untere Süßwassermolasse mit ihren fluviatilen Ablagerungsbedingungen endete mit einem erneuten Vorstoß des Meeres in das sich jetzt rasch absenkende Molassebecken. Es folgt die Zeitstufe der Oberen Meeresmolasse.

Quelle: Dr. Reinhard Schafft, Kempten