Historischer Bergbau Allgäu  
    GEOLOGISCHES
über das Imberggebiet
 
    Die Kohlenablagerungen in der Umgebung von Imberg bei Sonthofen gehören zu den jüngsten Kohlebildungen Südbayerns, nämlich zu den diluvialen Braunkohlen. Das Vorkommen dieser Kohlen beschränkt sich auf eine sanft gegen den Rettenschwanger Berggipfelzug ansteigende Terrassenfläche, welche unter dem Namen „Imberger Terrasse“ bekannt ist und im Westen von der alluvialen Einsenkung der Iller, im Norden von derjenigen der Ostrach begrenzt ist. In dieser Hochfläche haben sich verschiedene Gebirgsbäche tief eingegraben und die Zusammensetzung der die Terrasse aufbauenden Schichten aufgeschlossen.

Es sind folgende Tobel:

1.        Der in Richtung SO-NW fließende und in die Ostrach mündende Löwenbach oder Imberger Tobel, auf dessen östlichen Hochufer Imberg selbst gelegen ist; in den Löwenbach mündet oberhalb Imberg der Kiendelsbach ein.

2.        Der Schwarzenbachtobel, welcher westlich von Hofen in kurzem gewundenen Lauf sich in die Terrasse tief eingeschnitten hat und in westlicher Richtung zwischen Sonthofen und Altstädten in die Iller mündet.

3.        Der Leybachtobel, welcher im allgemeinen in SO-NW-Richtung sich tief in die Terrasse eingesenkt hat und bei Altstädten in die Alluvionen der Iller mündet.

4.        Der Hinanger Bach, welcher nach gebogenem Lauf schließlich in W-SW-Richtung bei Unterthalhofen in die Illerebene einmündet

Das Braunkohlevorkommen ist im Imberger Tobel schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt und durch verschiedene Bergbauversuche, zuletzt im Jahr 1918, aufgeschlossen worden. Daß auch im Leybachtobel in annähernd gleicher Höhe wie im Imberger Tobel Kohlenablagerungen gefunden wurden, führte zur Annahme, daß es sich um ein durch die ganze Hochfläche ausgebreitetes Kohlevorkommen handelte. In etwas tieferem Niveau wurde dann im Schwarzenbachtobel bei Hofen ebenfalls Schieferkohle gefunden.

Auf Grund dieser Vorkommen wurden in dem genannten Gebiet folgende Bergwerksrechte verliehen:

1. Josephszeche I, 2. Josephszeche II, 3. Antonzeche, 4. Franziskazeche

Zu richtigem Bergbaubetrieb kam es nur in den Grubenfeldern der Josephszeche und Antonzeche im Gebiet des Imberger Tobels.

Über die geologischen Verhältnisse und die Entstehung der Schieferkohle konnte auf Grund der darüber vorhandenen Literatur, der Grubenberichte und eigener Untersuchungen im März 1921 folgendes festgestellt werden:

Das Grundgebirge ist an der Stelle des Bergbaues nicht aufgeschlossen, besteht aber – wie aus verschiedenen Aufschlüssen oberhalb und unterhalb hervorgeht – aus Flysch-Schichten. Auf dem Flysch liegt Grundmoräne, welche an der Spann- und Ladestation der Werksdrahtseilbahn ungefähr 5-8m mächtig sein dürfte.

Über der Grundmoräne liegen ca. 5-7m mächtige graubraune, stark mit feinsandigem Material durchsetzte Tonschichten, sog. Bänderton. Auf diesem Ton liegt eine 8-10m mächtige Bank von geschichteter, zum Teil Übergußschichtung zeigender Nagelfluhe, deren Gerölle aus den Gesteinen der umliegenden Allgäuer Berge mit vereinzelt eingestreuten Urgebirgsgeröllen bestehen. Die Gerölle sind durch ein kalkig-sandiges Bindemittel zusammengebacken. Im Hangenden dieser Nagelfluhe folgt in ca. 940m Seehöhe ein fetter grauer bis schwärzlicher Ton von ca. 3-5m Mächtigkeit, in welchem sich ein Schieferkohlenflöz eingelagert findet. Das Flöz ist meist horizontal gelagert, es liegt deutlich geschichtet und besteht aus einer Anzahl von Einzelschichten, welche durch Tonschichten von einander getrennt sind. In den Tonlagen finden sich verschiedentlich eingeschwemmte Pflanzenreste. Die Kohlelagen selbst bestehen aus einer oft nur tonigen Beimengung verunreinigten, mulmigen, teilweise lignitartigen, aufblätternden Braunkohle, in welcher lagenweise wirr gelagerte und plattgedrückte Wurzeln, Stammteile und Zweige von Koniferen und Laubhölzern vorkommen.

Die Mächtigkeit der einzelnen Kohlelagen beträgt einige Zentimeter bis zu mehreren Dezimetern, die größte Mächtigkeit von 1m wurde nach Angabe der Grubenberichte in der Josephszeche am Luftschacht gefunden.

Die Kohlelagen sind, was ihre horizontale Ausbreitung betrifft, wenig beständig. Es ist daher unmöglich, ein Normalprofil durch das ganze Flöz zu geben. Einige aus den Grubenberichten entnommene Stollenprofile, welche durch Bohrungen im Liegenden und Hangenden vervollständigt sind, erweisen trefflich den raschen Wechsel in der Mächtigkeit und Ausdehnung der einzelnen Kohlelagen.

Über das Alter und Entstehung der Imberger Kohle läßt sich auf Grund der bisherigen Aufschlüsse mit Gewißheit sagen, daß die Braunkohle interglazial ist, d.h. daß sie  in einer wärmeren Periode zwischen zwei Vergletscherungen des Allgäuer Gebirges entstanden ist. Sicherlich ist sie nicht präglazial, also vor der Eiszeit entstanden, denn die Flyschterrasse, auf welcher die ganze Imberger Glazialserie aufruht, ist nicht etwa die voreiszeitliche Oberfläche des Gebirges, sondern ist der Rest eines durch die vorhergegangene Gletscherwirkung übertieften Talbodens, ferner ist durch Gümbel und Penck festgestellt worden, daß unter der das Kohlenflöz einschließenden Nagelfluh Moräne und Bänderton liegen. Die Angaben sind durch den Befund der Spann- und Ladestelle der Drahtseilbahn, ferner durch eine Bohrung im Talboden des Imberger Tobels zwischen Grubenfeld und Ortschaft bestätigt worden.

Die Entstehungsgeschichte des Imberger Kohlefeldes dürfte etwa folgendermaßen verlaufen sein:

Nach dem Rückzug des Iller- und Ostrach-Gletschers einer früheren Vereisung bestand zunächst wahrscheinlich infolge Abdämmung durch eine Endmoräne am Ausgang des Illertales ein aufgestauter See, der das ganze Talbecken ausgefüllt haben dürfte und dessen Spiegel etwa auf 950m Seehöhe lag. Auf dem Grund des Sees setzte sich zunächst die Flußtrübe aller in den See mündenden Gewässer als Seekreide oder Bänderton ab.

Im Bereich des Imberger Tobels legte sich dann zunächst ein flacher Schuttkegel über den Ton. Nachdem durch irgendwelche Gründe die Zufuhr von Geröllen aufhörte, konnte sich über der Geröllschicht wiederun Ton ablagern, auf welchem sich dann das Sumpfmoor bilden konnte, das uns jetzt als Braunkohle entgegentritt.

Es handelt sich also um eine Sumpfmoorbildung, welche in längeren oder kürzeren Zwischenräumen durch Überschwemmungsvorgänge vielfach unterbrochen wurde, dies ergibt sich aus dem stetigen Wechsel von Ton- und Kohlenlagen und den lagenweisen Einschwemmungen von Schilfresten, Koniferennadeln und Zweigstücken. Die Vegitation war diejenige eines Sumpfmoores mit zeitweise üppig gedeihendem Baumbestand, dessen Überreste in Form plattgedrückter Strünke sich in einigen Schichten finden.

Die Kohlen-Ton-Ablagerung wurde schließlich durch die wieder einsetzende Geröllzufuhr mit einer Schotterlage überdeckt, welche ebenso wie die darunter liegende zu einer Nagelfluh verkittet wurde und zwar wahrscheinlich schon vor der später einsetzenden neuerlichen Vergletscherung. Während dieser jüngeren Vereisung wurde über dem nunmehr zu Nagelfluh verfestigten Schotter eine mächtige Moräne abgelagert. Im Norden, gegen das Ostrachtal zu, machte sich die erodierende Kraft des Ostrachgletschers geltend, indem durch die trogförmige Übertiefung ein Teil der älteren Imberger Glazialablagerungen weggeschnitten und durch jüngeres Material ersetz wurde. Die ursprügliche Sumpfmoorablagerung hat sicherlich zur Zeit ihrer Bildung eine Mächtigkeit besessen, welche die heutige Mächtigkeit von rd. 1m um ein Vielfaches übertraf. C.W.v. Gümbel berichtet, daß es gelang, durch Anwendung eines Druckes von 20000 Atmosphären senkrecht zur Oberfläche eine rezente Torfmasse von 100cm Dicke auf 10,7cm zusammenzupressen. Wenn auch der Eisdruck des Illergletschers wesentlich geringer war, so darf man bei der langen Dauer der Vergletscherung doch ein ähnliches Resultat annehmen, denn was an Druckkräften fehlte, wurde durch die lange Dauer der Druckeinwirkung ersetzt.

Es ergibt sich also, daß das Sumpfmoortorflager vor der Bedeckung mit Gletscherschutt mindestens 8-10m Dicke besessen haben dürfte. Während der nachfolgenden Vereisung lastete dann eine Gletschermasse von einigen hundert Metern Mächtigkeit über dem ganzen Schichtenkomplex des Imberger Tobels und komprimierte das ehemalige Torflager zur heutigen Schieferkohle.

 

Ouelle: Auszug aus einer Schrift des Bayerischen Oberbergamtes.